Abschiedsfeier für Konrektorin Sigrid Köster
„Die Zuneigung zu ihren Schülern stets bewahrt“

Facettenreich ist das Lehrerdasein. Konrektorin Sigrid Köster erinnerte bei ihrer Abschiedsfeier an die vielen Berufsbilder, derer sie während ihrer vierzigjährigen pädagogischen Laufbahn gerecht werden musste und wollte. Wie fast alle ihrer Kollegen bewegte sie sich neben dem Unterrichten von Kindern und Jugendlichen in Arbeitsfeldern wie denen der Erzieher, Ersatzmütter, Drogenberater, Alleinunterhalter, Eventmanager oder Seelsorger und noch zahlreichen anderen mehr. Mit der Schilderung eines anrührenden Beispiels belegte sie, „wie schwierig es manchmal ist, wirkungsvoll helfen zu können“, etwa „wenn sich ein einzelner Schüler in großer Not befindet, aber 25 andere im Klassenzimmer auch versorgt sein müssen“. Besonders bitter sei ihr die Erkenntnis gewesen, dass keine Erziehungswissenschaft oder schulisches Bemühen eine verlorene Kindheit zurückholen kann.

Dies war jedoch nur eine Seite ihrer Bilanz, in die andere Waagschale legte Frau Köster den beglückenden Schluss aus der Umfrage einer großen deutschen Wochenzeitung: Lehrer sind viel besser angesehen, als man glaubt, besonders Grundschullehrer werden sehr geschätzt für ihre Arbeit und zwei Drittel der Befragten fanden, dass Lehrer insgesamt eine gute oder sogar sehr gute Arbeit leisten und sozial besonders motivierte Menschen sind. Kein Wunder, bei all’ dem, was die scheidende Konrektorin und der Schulbetrieb in vier Jahrzehnten überstanden haben! Darunter Kleinigkeiten, wie blaue Finger durch färbende Matrizen und das Erlernen der Textverarbeitung am Computer, oder Schwerwiegenderes, als da waren die sexuelle Revolution, Summerhill und die 68er-Bewegung, jede Menge Paradigmenwechsel und nun auch noch ADS: „Wir müssen den Unterricht unserer Zeit anpassen, aber unsere klassischen Aufgaben bleiben“, sagte Sigrid Köster. Sie freute sich rückblickend über die vielen Erfolge ihrer Arbeit, darunter der enormen Vielfalt an Ideen, die Schüler immer wieder einbrachten, dem guten Team, das sie mit Rektoren,  Kollegen und Mitarbeitern stets bildete. Sie lobte auch die gute Zusammenarbeit mit der Vorsitzenden Ellen Sick im Förderkreis der GHS, bei der finanzielle Mittel aufgebracht wurden, die bereichernde und fördernde Zusatzprogramme in die Schule holten (Musik, Sport, Hausaufgabenbetreuung, Computerkurse…). „Ich habe versucht gerecht zu sein, habe mich bemüht zuzuhören. Nun wünsche ich mir zum Abschied, dass Ruhe im Schulsystem einkehrt!“

„In Sachen ‚Freiheit für Köster’“ sei er hergekommen, meinte Ortsvorsteher Thomas Tritsch, obwohl er zu Bedenken gab, dass „viele davon träumen, von der Schule direkt in den Ruhestand zu gehen“. Nun ginge die ‚K. u. K.- Epoche’ (Karg und Köster) zu Ende, während der ein Doppelherz mit Engagement geschlagen habe. Sein Präsent trug die Initialen S.K. und sollte den Weg in den Ruhestand „versüßen.“ Ein Schirm mit Logo symbolisiere: „Grötzingen lässt Sie nicht im Regen stehen“ und „nun wünsche ich Ihnen, dass Sie all die Dinge tun können, die in den letzten Jahren zu kurz gekommen sind!“

„Ihre Stimme als Ausdruck Ihrer ruhigen und besonnen Wesensart“ war Elternvertreterin Dr. Gabriele Vorberg gleich bei der ersten Begegnung mit der Konrektorin aufgefallen. Dann

Verabschiedung Frau Köster


Verabschiedung Konrektorin Köster

noch deren zupackende Natur, und doch: „Sie haben sich die Zuneigung zu ihren Schülern bewahrt!“ Ellen Sick war nahezu sprachlos, denn: „Was soll man zu solch einer Power-Frau noch sagen? Wir können uns nicht vorstellen, wie der Schulalltag und der Förderkreis ohne dich statt finden soll“, sagte die Vorsitzende des Förderkreises der GHS, „immer hatte Sigrid Köster ein offenes Ohr und fand stets die richtigen Worte, wir brauchen ihren Rat bestimmt noch weiter!“ Dagegen reimte Frau Schubach, eine langjährige Kollegin: „Geschafft! Ein Hoch auf die Zukunft!“, und: „Wir alle wünschen dir das Schönste auf Erden!“

Der Schulleiter sah sich selbst zunächst in einiger Verlegenheit, es sei nämlich seine „ erste Veranstaltung ohne die Unterstützung der Konrektorin“, dann moderierte er die Feierstunde dennoch souverän.  „Die Akten sind wohl gefüllt, auf jeder dritten Archivseite sind Sie vertreten“, hatte Rektor Karg Informationen seit dem Jahre 1975 zusammengetragen. Fortbildungen in Gitarrespiel und Englisch, Parkgebühren, (hervorragende) dienstliche Beurteilungen, Kurse in Selbstmanagement für Schulleitungen oder ‚Erwachsen werden’ und noch vieles mehr zitierte Rudolf Karg, zeitweise schmunzelnd, aus schulischen Dokumenten über seine „Lieblingskonrektorin“. „Zusammen konnten wir uns über Ungerechtigkeiten aufregen, wir haben uns stets die Bälle zugespielt und Ihnen war keine Arbeit zu viel!“ Zum Abschied stellte Rudolf Karg ein launiges „Grezzinger Alphabet für’d Konrektorin“ in Wort und Bild vor, dazu überreichte er einen „Gutschein über unterrichtsfreie Tage“ und eine kinoreife Filmklappe: „Szene, die letzte“.

Viele Facetten trugen auch die Schüler zum Abschied zusammen: 17 selbstgemalte Bilder vereinten sie zu einem Gesamtkunstwerk, das die Erfüllung der Träume von Sigrid Köster für die kommenden Jahre sichtbar machen soll. Facettenreich zusammengestellt war ebenfalls die musikalische Begleitung der Abschiedsfeier. „Wir bedanken uns bei Frau Köster, dass sie sich stets für unser Projekt eingesetzt hat“, würdigte die Leiterin der ‚Streicherklasse’ zum Auftakt der Feier das Engagement der Konrektorin für dieses erstaunlich junge Schülerorchester mit kleinen und größeren Violinen und Cello. Die Geschwister Staud präsentierten verschiedene Instrumentalstücke mit Klavier und Flöten und der Schulchor unter der Leitung von Frau Schmolla sang  und spielte pädagogisch Wertvolles, etwa von der kleinen Made, die nicht hören wollte: „…  und das war schlecht, denn schon kam ein bunter Specht und verschlang die kleine fade Made ohne Gnade. – Schade!“, oder auch das „Vier-Farben-Land-Lied“ mit einer großen Botschaft: „Sei offen für andere - dann wird das Leben bunt und reich!“.

Zum krönenden Abschluss wartete noch eine ganz besondere Überraschung auf die scheidende Konrektorin im Schulhof. Guntram Prochaska zauberte mit gewohnt eleganter Kettensägen-Choreografie einen Engel aus dem Baum. Sigrid Köster, die sich gleichzeitig mit Kollegin Renate Porzelt in den (Vor-) Ruhestand verabschiedet, wird sich unter des Engels Schutz stellen, erst einmal ein Jahr in Urlaub gehen und genießen, dass sie sich „nun von andern etwas beibringen lässt“. Darunter, so gelobte sie, „endlich auch Grezzingerisch“.

StS

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung aus "Das Pfinztal"

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